Seit VMware die Lizenzmodelle umgestellt hat, kommt die Frage nach einem Ausstieg regelmäßig auf. Proxmox VE ist dann der naheliegende Kandidat: offen, ohne Lizenzkosten, mit KVM und ZFS unter der Haube. Der Umzug ist gut machbar, aber ein paar Dinge entscheiden darüber, ob es ein ruhiger Abend oder eine lange Nacht wird.
Was vorher geklärt sein muss
Bevor eine einzige VM umzieht, klär ich drei Dinge: Wo liegt das Backup, das unabhängig von beiden Plattformen ist? Welche VMs sind ausfallkritisch und brauchen ein Wartungsfenster? Und: Gibt es Gäste, deren Betriebssystem keine VirtIO-Treiber mag?
Warnung
Kein Migrationsschritt ohne ein Backup, das außerhalb von VMware und Proxmox liegt. Ein Export ist kein Backup, solange er auf derselben Hardware liegt.
Die Migrationswege im Vergleich
Es gibt nicht den einen Weg. Welcher passt, hängt vom Gastsystem und der Downtime-Toleranz ab.
| Weg | Wie | Passt für | Haken |
|---|---|---|---|
qm importovf |
OVF-Export aus VMware, Import in Proxmox | Die meisten Linux- und Windows-VMs | Export braucht Platz und Zeit |
virt-v2v |
Konvertiert direkt inkl. Treiber | Windows-Gäste | Mehr Vorbereitung, aber sauberstes Ergebnis |
| Neuinstallation | VM neu aufsetzen, Daten migrieren | Alte oder kaputte Gäste | Aufwändig, aber am gründlichsten |
Der Ablauf in der Praxis
Für den Standardfall (qm importovf) exportiere ich die VM als OVF und importiere sie in einen Proxmox-Storage:
# Auf dem Proxmox-Host, OVF liegt bereits lokal:
qm importovf 120 /mnt/export/web01.ovf local-lvm --format qcow2
# Danach: Boot-Reihenfolge und Netzwerk prüfen
qm set 120 --boot order=scsi0 --net0 virtio,bridge=vmbr0
Tipp
Vor dem Export in VMware die VMware Tools deinstallieren und den Guest sauber herunterfahren. Das erspart hinterher hängende Dienste und Treiberkonflikte.
Danach starte ich die VM einmal kontrolliert, prüfe Netzwerk und Dienste und schwenke erst dann den produktiven Verkehr um.
Nach der Migration
Der häufigste Stolperstein sind die Treiber: Ohne VirtIO läuft die VM zwar, aber mit SATA-Emulation und spürbar langsamer.
Wichtig
Nach dem ersten Boot die VirtIO-Treiber und den QEMU Guest Agent installieren, dann erst auf virtio/scsi (VirtIO SCSI) umstellen. Bei Windows-Gästen den Treiber vor dem Umstellen des Bus-Typs laden, sonst bootet die VM nicht mehr.
Zum Schluss die Checkliste, die bei mir jede migrierte VM durchläuft:
- VirtIO-Netz und -Disk aktiv, Performance geprüft
- QEMU Guest Agent installiert und im Proxmox sichtbar
- Backup-Job im Proxmox Backup Server eingerichtet
- Monitoring hängt wieder dran
Klingt nach viel, ist aber Routine, sobald die erste VM sauber durch ist. Den größeren Rahmen — ganze Systemhaus-Umgebung, im laufenden Betrieb — beschreibe ich im verknüpften Projekt.